Sonntag, 11. September 2011

Die Oper am Tejo


Auf die Frage hin, ob es ein Opernhaus in Lissabon gibt, gab ich heute die Antwort, dass im Teatro Nacional de São Carlos (dt.: Nationaltheater São Carlos) regelmäßig Opernaufführungen stattfinden.

Am kleinen, mit parkenden Autos voll gestopften Platz Largo de São Carlos (dt.: Sankt Karlplatz) gelegen, war das gleichnamige Theater immer ein Haus des Bürgertums und nie ein Schauspielhaus des Hofes.

Der Adel hatte sein eigenes Opernhaus – ein Opernhaus das einmal nur ganze 215 Tage stand!
Die Rede ist von der „Ópera do Tejo“ (dt.: „Die Oper am Tejo), die einmal im historischen Zentrum von Lissabon stand, genau am Ufer des Tejo, da wo heute die Avenida da Ribeira das Naus entlangführt.
Dort wo heute das Arsenal da Marina (dt.: Zeughaus der Marine) steht, stand einmal das Königliche Schloss „Paço da Ribeira“ und genau nebenan stand das riesige Opernhaus.

Beides, sowohl das königliche Schloss als auch die Oper wurden am 01. November 1755, bei dem großen Erdbeben von Lissabon (dt.: Grande Terramoto de Lisboa), völlig zerstört.

Erbaut wurde das weiß-goldene Opernhaus, in dem insgesamt 600 Personen Platz fanden, aufgeteilt in 38 Logen und einem riesigen Parkett, von dem italienischen Stararchitekten Giovanni Carlo Sicinio Galli Bibiena, der aus einer berühmten Architekten- und Bühnenbildnerfamilien stammt und der von König José I damals den Auftrag erhielt, ein Opernhaus zu bauen, „welches die Welt noch nie gesehen hat“.

Eröffnet wurde die Oper, die auch unter dem Namen „Real Casa da Ópera (dt.: „Königliches Opernhaus“) bekannt war, am 31. März 1755, dem Geburtstag von Königin Mariana Victoria, mit dem Werk „Alessandro nell’ Inche“, des Komponisten David Perez.

Noch zwei Opern wurden in dem majestätischen Opernhaus uraufgeführt:
Am 06. Juni die Oper „La clemenza di Tito“ und dann am 16. Oktober die Oper „Antigono“, beides Werke des italienischen Komponisten Antonio Mazzoni.

In den frühen Morgenstunden des Allerheiligentages 1755, nach nur 215 Tagen und drei Uraufführungen, fiel das Opernhaus, das eines der grandiosesten des damaligen Europas war, dem Erdbeben und dem nachfolgenden Feuer völlig zum Opfer.

Als Prämierminister Sebastião José de Carvalho e Melo, der Marquês de Pombal, daran ging Lissabon nach dem verheerenden Erdbeben wieder aufzubauen, hatte er ursprünglich vor, die Oper wieder zu errichten.
Doch durch die knappen Kassen geriet der Wiederaufbau der Ópera do Tejo immer wieder in weite Ferne, bis zum Jahr 1793, als das neue Teatro Nacional de São Carlos endlich eröffnet wurde.

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